Unsere drei Bio-Kurse auf Exkursion zum Dümmer

flagge Mit Kescher, pH-Meter und Secchi-Scheibe: Unsere drei Biologie-Kurse haben sich auf eine Exkursion zum Dümmer inklusive Kanutour begeben.

 

 

Die Exkursion

Der Westwind bläht die Jacken, Wellen rauschen heran und so mancher bloße Arm zeigt Gänsehaut. Uns fröstelt, wie wir da am Ostufer des Dümmers stehen und den Informationen unseres Betreuers lauschen. So kalt hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Wir – das ist der Biologie-Grundkurs des Jahrgangs 11 mit seinem Kursleiter Willm Prasse. Wir sind heute, am 13. Juni 2017, im Dümmer-Museum in Lembruch, genauer: in der Forschungsstation „Leben im Wasser“ dort. Unser Ziel: uns über die Sanierung des Dümmers zu informieren. Warum wir uns damit beschäftigen? Weil das Ökosystem See der Schwerpunkt des Halbjahresthemas Ökologie ist.

Teil eins unserer Forschungen: Wir nehmen Proben und messen und ermitteln so ökologische Vor-Ort-Parameter. Diese bewerten wir, um dann auf die aktuelle Situation des Dümmers zu schließen.

Das sind einige der Parameter, für die wir Kescher, pH-Meter und anderes Gerät verwenden:

- Die Wassertemperatur und ihr Einfluss auf das Wachstum des Phytoplanktons und die Geschwindigkeit deren Stoffwechselvorgängen,

- der pH-Wert und seine Beziehung zum Wachstum der Algen durch Fotosynthese und der CO2-Fixierung dabei,

- die Leitfähigkeit von Wasser als Maßstab für die Menge der in ihm gelösten Salze: je größer die Salzmenge, desto besser leitet das Wasser elektrischen Strom. Das lässt Schlüsse zu auf den Mineralstoffgehalt des Sees.

Aber was hat es mit der Secchi-Scheibe auf sich? Das ist eine weiße Scheibe, benannt nach dem italienischen Universalgelehrten und Jesuitenpater Angelo Secchi. Die Scheibe hat einen genormten Durchmesser von 20 cm, ist an einer Messkette befestigt und wird so weit in das Wasser herabgelassen, bis sie gerade noch sichtbar ist. Jetzt hat man die sogenannte Sichttiefe bestimmt und kann Schlüsse ziehen auf die Menge an Schwebstoffen und auch auf die Planktonmenge.

Besonders beeindruckend: das Messgerät für die Bestimmung der Gesamtchlorophyll-a-Konzentration und der Blaualgen-Chlorophyll-a-Konzentration im Wasser - Hightech pur! Damit können wir direkt ermitteln, dass aktuell nur wenig Blaualgen im Dümmer vorhanden sind - Badeverbot nicht nötig.

Teil zwei unserer Forschungen findet im Dümmer-Museum statt: das Untersuchen und Bestimmen von Plankton nämlich. Dafür hatten wir vorhin die Kescher mit ihrem feinen Planktonnetz durchs Wasser gezogen. In der Forschungsstation stehen Mikroskope und Bestimmungshilfen bereit und die Proben aus den Keschern.

Es ist wie ein Blick in eine andere Welt mit ihrer Fülle kleinster Lebewesen: Wir entdecken Phytoplankter wie die Kieselalge Asterionella, auch Schwebesternchen genannt, das seine Schwebefortsätze wie einen Fallschirm benutzt, um das Absinken in das dunkle Tiefenwasser zu verlangsamen, oder Zooplankter wie den Wasserfloh, wie Rädertierchen oder Ruderfußkrebschen.

Auch die Problemalgen eines eutrophen Sees sind in unseren Proben vorhanden, zum Beispiel die Grüne Spanalge. Wir erfahren, dass sich ihre Zellfäden gerne büschelweise zusammenlagern und dass sie einen ganz besonderen Trick entwickelt hat, um nicht abzusinken: Mit ihren Gasvakuolen kann sie sich im Wasser auf- und abbewegen, hin zu den Phosphaten am Seegrund und wieder hinauf zum Licht! Problemalgen sind sie deshalb, weil sie zu Massenentwicklungen neigen, den Algenblüten. Weil sie auch noch Nervengifte ausscheiden, sind dann Badeverbote erforderlich.

Zum Schluss setzen wir uns noch mit den ganz unterschiedlichen Nutzungsanprüchen an den Dümmer auseinander und schlüpfen dafür in die Rollen von Landwirten, Touristen, Seglern und Naturschützern.

Und das Frösteln von heute früh? Das ist längst Vergangenheit - sich bewegen macht warm.

Also auf über den Dümmerdeich zu Fuß Richtung Nordende des Dümmers! Hier fließt die Lohne aus dem Dümmer heraus und hier beginnt die zweite Hälfte unseres Tages, die Kanutour.

Halt - vorher ein Einschub: Natürlich sind auch die beiden Biologie-Kurse von Martina Hoin und Nicola Niehaus auf Forschungsreise zum Dümmer gefahren, und zwar eine Woche später, am 20. Juni.

Erfahrung macht klug: Die beiden kannten den Ablauf dort und wussten, welche Probennahmen das Programm vorsieht und welche nicht. Und da fehlen die Parameter Nitrat und Phosphor, beides wichtige Nährstoffe für die Produzenten im See. Also selbst messen! Das Ergebnis: beim Huntezufluss in den See wurden deutliche Mengen ermittelt, im Dümmer selbst aber so gut wie nichts. Eine Überraschung? Nicht für den, der die Zusammenhänge kennt…

Die Kanutour

Vom Dümmer nach Diepholz fahren kann jeder. Nur mit dem Kanu auf der Lohne ist diese Reise fast noch ein echtes Abenteuer. Aber Achtung: die Strecke von der Kanueinsatzstelle Eickhöpen bis zum Rathaus von Diepholz geht aufs Kreuz und in die Arme.

Die Lohne schlängelt sich durch die nördliche Dümmerniederung mit ihrem geringen Gefälle und mündet hinter Diepholz in die Hunte. Wir wissen jetzt, dass sie gar kein richtiger Fluss ist, sondern im 16. Jahrhundert von Menschenhand ausgegraben wurde; die Lohne ist also eher ein Kanal. Seine Funktion: die Entwässerung verbessern. Über Wehre können zudem Hochwasserspitzen reguliert werden.

Die Lohne ist fest in der Hand der Natur, könnte man denken: Schilf wächst am Ufer, Weiden neigen ihre Zweige über den Fluss und streicheln über die Köpfe der Kanufahrer, Entenmütter mit ihren Küken begegnen uns in Hülle und Fülle, Blässhühner schlüpfen vor uns ins Schilf. Das üppige Laichkraut im Wasser zeigt an, dass die Wasserqualität noch recht gut ist. Auch hier: wenig Blaualgen. Wir wissen aber, dass der Dümmer die Wasserqualität der Lohne bestimmt, und dass die sich schnell ändern kann!

Was das Kanufahren ausmacht? Abschalten von der vormittäglichen Informationsfülle über den Dümmer, ausspannen, die Gedanken treiben lassen, seine Kräfte spüren, das kann beim Kanufahren gelingen. Bei uns kommt noch etwas anderes hinzu: Gekreische, wenn ein Kanu quersteht und gerammt wird, oder wenn die einen die anderen zu überholen suchen, Gekreische, so laut, dass so manche Ente wie in Panik davonstiebt. Ja, Kanufahren macht Spaß!

Gut für die Arme, dass wir nach rund 5 Kilometern den Pausenplatz erreichen. Dort glüht schon die Grillkohle für Bratwurst und Nackensteaks. Dann, nach nochmal rund 5 Kilometern, sind wir am Ziel, dem Rathaus von Diepholz. Aussteigen, Rücken strecken und schnell die Boote putzen. Und natürlich das obligatorische Gruppenfoto. Dann auf den Polstern des Busses niederlassen und sich auf zuhause freuen, wo die müden Glieder sich erholen können.

Und morgen? Morgen gibt`s den fetten Muskelkater!

Willm Prasse

Am Ende der Kanutour das Gruppenbild

 

Eine Secchi-Scheibe

 

Nutzungsansprüche - die Touristen beraten sich

 

Plankton keschern

 

Plankton untersuchen und zeichnen